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Natur und die ordnende Hand des Menschen:

Jan Zimmermann



„Nichts machen macht nichts“ – zitiert Jan Zimmermann gelegentlich ein problematisches Sprichwort und verhehlt nicht, dass er es komplett für falsch hält. Muss er auch, denn sonst wäre er nie der engagierte Ehrenamtler geworden, den man für den Bürgerpreis vorschlagen kann.

Ganz offen spricht Herr Zimmermann von Liebe zur Heimat und insbesondere zu „seinem“ Dorf Hainewalde. Immerhin ist er ein „Zugezogener“. Es könnte eine „Liebe auf den ersten Blick“ gewesen sein – und beim zweiten Blick war das Grundstück „Scheibe 1“ an der Reihe, von den Einheimischen „Siedemühlteich“ genannt. Die „Siedemühle“ war ein Färbereibetrieb. Nach Stilllegung der Fabrik wurden 1994/95 sämtliche Gebäude abgerissen und das Grundstück eingeebnet. Die Natur „spürt“ so etwas und holt sich derartige Flächen zurück – und das meist zugleich sehr üppig! Um dies in geordnete Bahnen zu lenken, erwarb Jan Zimmermann mit privaten Mitteln das Grundstück von der Treuhand-Verwaltungsgesellschaft. Ausschlaggebendes Motiv für diese Herkulesaufgabe war die Achtung vor der Natur und die Aussicht, gut mit ihr leben zu können. Doch man darf ruhig noch etwas tiefer „graben“: Herr Zimmermann wurde schon als Kind für den ehrenamtlichen Naturschutz begeistert. Deshalb ist es unverzichtbar, dass Familien mit offenen Augen – und Herzen – durch die Wiesen, Felder und Wälder gehen, um Pflanzen und Tiere zu betrachten und zu beobachten. Auch braucht es gute Fachlehrer, die mit ihrem eigenen Enthusiasmus Kinder und Jugendliche für den Naturschutz begeistern können. Denn auch Naturschützer fallen nicht vom Himmel; sie wollen entdeckt, gefördert und geprägt sein, und das von früher Jugend an!

Ein großes Anliegen Jan Zimmermanns war und ist es, heimische, verloren gehende Obstsorten zu züchten. Deshalb legte er eine große Streuobstwiese an. Für einen Außenstehenden ist beeindruckend zu erfahren, mit welcher Weitsicht dabei vorgegangen wurde: Es wäre viel bequemer – und deshalb heutzutage zumeist üblich -, Obst von kurzstämmigen Bäumen zu ernten. Doch auf der Hainewalder Streuobstwiese wachsen ganz gezielt Hochstämme, um eines Tages den nötigen Raum zu geben, damit Tiere darunter weiden können.

Natürlich klingt das alles nach viel Arbeit, und die ist auch ohne Zweifel erforderlich. Doch inzwischen ist alles so weit gediehen, dass Jan Zimmermann das Grundstück am „Siedemühlteich“ als Ruhepol in Stresszeiten empfinden und somit auch die Früchte seiner Mühen ernten kann.

Wer nun denkt, das alles wäre genug an bürgerlichem Engagement, irrt bei diesem Preisträger. Bereits in den 90-er Jahren begann er, bei der Herrichtung von Schloss und Schlosspark in Hainewalde mitzuarbeiten. Nachdem er im Jahr 2000 dem Förderverein beigetreten war, wurde er 2015 zu dessen Vorsitzendem gewählt. So gilt wohl auch hier: Wer einmal den Wert ehrenamtlichen Engagements erkannt und die damit verbundene Erfüllung und Freude erlebt hat, dem fehlt in seinem Wortschatz meistens das Wörtchen „nein“. Für solche Frauen und Männer kann man nur dankbar sein!

Kurzfilm über Jan Zimmernann

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Zu Hause in der Heimatstube:

Christl Tendler



Christl Tendler kann die Vorzüge und Nachteile des Lebens in der Stadt und „uffm Durfe“ kompetent vergleichen und beurteilen; schließlich hat sie 40 Jahre in Halle/Saale zugebracht und ist nun seit längerer Zeit in Obercunnersdorf zu Hause. Angenehm empfindet sie u. a., dass man sich auf der Dorfstraße grüßt und erwähnt ausdrücklich dabei lobend die Schulkinder. Gelegentlich nimmt man sich Zeit und tauscht Neuigkeiten aus; Klatsch und Tratsch auch, freilich, doch gewiss nicht nur. Denn Frau Tendler sagt, sie gäbe gern ihren „Dreier“ dazu – und trifft damit kurz und bündig zwei wesentliche Eigenschaften eines Menschen, der sich ehrenamtlich engagiert. Wer einen „Dreier“ dazugibt, hat eine Meinung, hält sie jedoch für nicht so sehr bedeutsam. Einen Standpunkt haben und dabei bescheiden bleiben – solche Leute sind angenehm!

Christl Tendler wurde am 26.10.1941 geboren und trat 2006 in den Heimatbund Obercunnersdorf e.V. ein. Damit bekam ihre ehrenamtliche Tätigkeit sozusagen zwei Pole: Zum einen ist sie häufig im „Haus des Gastes“ in Obercunnersdorf zu finden, speziell in der „Pfarrer-Heinz-Leßmann-Stube“ und hier wiederum am Handwebstuhl. Für diesen Bereich trägt Frau Tendler sogar die Verantwortung. Zum anderen ist sie neben dieser eher „sesshaften“ Aufgabe gelegentlich kilometerweit „auf Achse“: Beim „Eibauer Bier- und Traditionszug“ der Gemeinde Kottmar mit einem Festwagen oder in einer Laufgruppe oder dem Festumzug am „Tag der Sachsen“ 2017 in Löbau. Natürlich ist bekannt, dass ein solcher Umzug nicht erst mit am Tag selbst beginnt. Es werden Ideen gebraucht, was gezeigt werden soll, die Bilder müssen gestaltet werden… Christl Tendler legt Hand an! Zu ihrem „bewegten Leben“ gehören auch Wanderungen, Exkursionen und Busfahrten, die der Heimatbund veranstaltet.

Doch zurück in die „Pfarrer-Heinz-Leßmann-Stube“. Dort sitzt Frau Tendler gern am Handwebstuhl – und das nicht nur am „Tag des offenen Umgebindehauses“ oder beim „Dorf-und Abernfest“ in Obercunnersdorf, sondern sie gibt jederzeit bereitwillig den Gästen des Ortes einen Einblick in die alte Handwerkskunst der Weberei. Sie kann ihrem Publikum vorführen, wie das geht: weben. Selbstverständlich sind ihre „Schüsse“ total ungefährlich – wenn der Schussfaden quer zu den Kettfäden eingetragen wird. Doch die Hobby-Weberin ist auch in der Lage zu erklären, wie ein solcher Handwebstuhl überhaupt funktioniert, was Kettbaum und Warenbaum ist, was Schäfte und Litzen sind. Und das ist nicht nur Theorie: wo sich etwas dreht und bewegt, geht es auch immer wieder einmal kaputt - zumal die Handwebstühle in der Oberlausitz in die Jahre gekommen sind. Kein Problem für Christl Tendler: Selbst ist die Frau – und sie repariert selbst! Bislang hat sie den Webstuhl in der Heimatstube immer wieder zum Laufen gekriegt!

Kurzfilm über Christl Tendler

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Stets im Bilde:

Andreas Graf



Fotografieren braucht unendlich viel Geduld, wenn es denn vorzeigbar gelingen soll: den richtigen Sonnenstand vorausberechnen, das Herannahen uriger Wolkengebilde abpassen und darauf warten, dass endlich das knallrote Auto vor dem ins Visier genommenen Motiv um die Ecke gefahren wird…

Doch es kann auch spannend sein – behauptet jedenfalls Andreas Graf. Er ist oftmals überrascht, was im Endeffekt herauskommt, wenn er einfach mal so auf den Auslöser seines Fotoapparates drückt.

Herr Graf ist der „Chefredakteur“ einer Gemeinschaft von fünf Schülern, die die Parkschule und das Christian-Weise-Gymnasium in Zittau besuchen und sich „Foto Zittau“ nennen. Damit ist schon angedeutet: Einen so jungen Preisträger hat es in der Geschichte des Bürgerpreises, der seit 2004 verliehen wird, noch nicht gegeben, denn Andreas Graf ist erst 17 Jahre jung. Ehrenamtliche Tätigkeit muss also nicht erst beginnen, wenn man sich im Ruhestand eine Tätigkeit suchen will, die einen aus- und erfüllt. Die Begeisterung macht’s…

Die jungen Leute sind seit 2012 in Zittau und Umgebung unterwegs Sie filmen und fotografieren vor allem bekannte Veranstaltungen und Aktionen, berichten aber auch über wichtige politische Themen aus dem Rathaus und starten Umfragen unter der einheimischen Bevölkerung über Probleme, die zur Entscheidung anstehen. Die Ergebnisse stellen sie für jedermann abrufbar online (www.foto-zittau.de und www.graf-andreas.de).

Was sicherlich auch ganz nach dem Geschmack des Preisträgers ist: Es gibt Abende im Jahr, an denen er – vermutlich mit ausdrücklicher Genehmigung – erst sehr spät ins Bett kommt: Gekonnt moderiert er nämlich die Filmnächte in der Weinau.

Doch worin liegt die Motivation, sich in diesem Umfang ehrenamtlich zu engagieren? Andreas Graf gibt eine Antwort, die für ihn und seine Freunde, doch gewiss auch für alle ehrenamtlich Tätigen zutrifft und die man auf zwei kleine Worte reduzieren könnte: „mit“ und „für“. Es bereitet den jungen Leuten selbstverständlich große Freude, beieinander zu sein, miteinander Ideen und Projekte zu verwirklichen und sich über die Ergebnisse zu freuen. Aber eine Triebfeder ist natürlich auch, anderen – in diesem Falle sogar oft ganz unbekannten – Leuten Freude zu bereiten. Ein solches Engagement verlangt immer viel Einsatz; nüchtern könnte man sagen: auch so manches Vergnügen ist mit Arbeit verbunden und erfordert Zeit und Kraft; zwei äußerst kostbare Dinge. Doch daraus kann – und „Foto Zittau“ ist quasi der lebende Beweis dafür – eine feste Freundschaft entstehen. Ehrenamtliche Tätigkeit zeigt immer: man hat auch selbst etwas davon – ohne dass dies freilich das ausschlaggebende Motiv für die Mitarbeit sein sollte.

Kurzfilm über Andreas Graf

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Nächstenliebe – das „Salz in der Suppe“:

Dorothea Keller



Das „spectaculum“ am Vorabend von „Christi Himmelfahrt“ ist seit der ersten Auflage 1999 ein äußerst beliebtes Volksfest in Zittau. Zwar werden sich die meisten Besucher vermutlich wegen des abwechslungsreichen Kulturprogramms, den Kunsthandwerkern, einer knackigen Bratwurst oder einem süffigen Bier auf den Weg machen, doch sind sie gut beraten, den Stand des Heilkräutervereins Salvia e.V. aus Oberseifersdorf aufzusuchen. Dort finden sie nämlich allerhand, was der eigenen Gesundheit zuträglich ist, insbesondere das selbst produzierte Kräutersalz – und sie treffen dort Dorothea Keller; eine wegen ihres freundlichen, zugewandten und ruhigem Wesen sehr beliebten Frau.

Dies ist jedoch längst nicht das einzige ehrenamtliche Engagement der Oberseifersdorferin. Eine besonders spürbare Hilfe ist sie der Lebenshilfe Zittau e.V. Dieser Verein ist ein Zusammenschluss von Eltern und Freunden von Menschen mit Handicap und sorgt für Förderung, Unterstützung und Betreuung geistig und mehrfach Behinderter jeder Altersklasse. Der Verein wurde 1990 gegründet und beschäftigt derzeit ca. 70 Mitarbeiter. Dennoch ist die tatkräftige Unterstützung durch das Ehrenamt vonnöten. Darin sah die gelernte Kinderkrankenschwester eine lohnende Aufgabe für sich.

Nach zehn Jahren in ihrem ursprünglichen Beruf arbeitete Frau Keller als Arbeitstherapeutin in unterschiedlichen Gruppen mit Behinderten, auch in den Zittauer Werkstätten. Dabei erledigte sie nie nur einen „Job“. Ihre Bemühungen um Weiterführung und ständige Verbesserung der Arbeitsmöglichkeiten für psychische kranke und behinderte Menschen waren intensiv. Folgerichtig war Dorothea Keller auch eines der Gründungsmitglieder des Vereins Lebenshilfe e.V. und arbeitet seitdem fast ununterbrochen im Vorstand mit. Der Verein hat sich eine beachtliche Menge an Aufgaben gestellt; entsprechend breit gefächert ist das ehrenamtliche Engagement der Preisträgerin: Sie unterstützte den Aufbau des Familienentlastenden Dienstes und die Eröffnung der Praxis für Ergotherapie; sie ist bei der Ferienbetreuung von Schülern der Förderschulen für geistig behinderte Kinder in Zittau und Herrnhut zur Stelle und nicht zuletzt bei der Vorbereitung und Durchführung von Festen und Veranstaltungen.

Man kann sich vorstellen, dass dabei private Interessen und Hobbys gelegentlich zu kurz kommen. Es ist ein beeindruckendes Zeichen gegen den verbreiteten Egoismus, bei dem der Einzelne sich stets selbst an die erste Stelle setzt. Dorothea Keller denkt und arbeitet im Sinne des Vereins. Es ist sehr verdienstvoll, wenn sich Menschen in den Dienst einer größeren Sache stellen. Frau Keller macht keinen Unterschied zwischen gesunden Kindern und solchen mit Handicap: „Die behinderten Kinder sind für mich wie jedes Kind. Ihre Förderung steht an erster Stelle.“ Meistens werden die ehrenamtlichen Helfer selbst reich beschenkt durch das Echo, das sie mit ihrer Liebe und Zuwendung auslösen. Im Falle von Dorothea Keller klingt das mit ihren eigenen Worten so: „Man hat auch Erfolg, weil sie sich freuen über jede kleine Geste und alles, was man mit ihnen macht und durchführt“.

Kurzfilm über Dorothea Keller

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Ein Bierchen im Pferdestall:

Matthias Barth



1880 notierte der deutsche Lehrer und Schriftsteller Friedrich von Bodenstedt einen Satz mit ungeheurer Tragweite – von dem in der Regel allerdings nur das erste Drittel zitiert wird: „Das Paradies der Erde liegt auf dem Rücken der Pferde, in Gesundheit des Leibes und am Herzen des Weibes.“

Matthias Barth bejaht ihn jedoch in Gänze. Über die Pferde wird noch zu reden sein. Die „Gesundheit des Leibes“ darf man bei ihm sehr weit fassen: Nicht nur die Menschen sind gemeint, sondern auch die Tiere, denn der Preisträger ist von Beruf Tierarzt mit eigener Praxis und behandelt vor allem Pferde, aber auch Kleintiere. Und den letzten Teil des Bodenstedt-Satzes darf man bei ihm ruhig auch so interpretieren, dass er dankbar ist für die immense Unterstützung seitens seiner Familie, ohne die sein ehrenamtliches Engagement undenkbar wäre.

Dr. Barth wurde 1965 in Görlitz geboren, wuchs in Niesky auf und ging dort zur Schule. Seitdem ist er in seiner Freizeit bis heute meistens in Horka zu finden. Es war für ihn schön, während seiner Studienzeit an der Berliner Humboldt-Universität am Wochenende oder zum Ferienbeginn in seine Heimat zu fahren; spätestens an der Kreisgrenze gab es „Herzklopfen kostenlos“. Auch durch solche Erfahrungen der Heimatliebe wird der Wunsch grundgelegt, sich für die Menschen einer Region zu engagieren und nicht nur aufs Geldverdienen zu schauen.

1978 trat der Tierarzt in die Sektion Pferdesport in Horka ein. Später wurde es möglich, dort den Reit- und Fahrverein „Wehrkirch“ Horka e.V. zu gründen. 1993 wurde er dessen Vorsitzender. „Ich bin nicht der Wichtigste“, sagt er. „Jeder tut in unserem Verein, was er kann – und dies ist immer etwas Wichtiges“. Ein Verein, der dergestalt von seinem Vorsitzenden geführt wird, bringt es weit! Denn so spüren die Mitglieder, dass ihr Einsatz nicht nur wahrgenommen, sondern auch geschätzt wird.

In diesem Sinn wurde der Pferdesport, wie er in Horka betrieben wird, in ganz Deutschland wie auch in Tschechien und Polen bekannt. Und was es da organisatorisch zu stemmen gilt, möge das 24 Horkaer Pfingstturnier im Mai 2016, das größte Freilandturnier Sachsens, zeigen: Über 40 Spring- und Dressurprüfungen standen damals auf dem Programm, bei denen weit über 600 Pferde aktiv waren. Vor allem der Traditionspflege dient der alljährliche Pflügertag Anfang Oktober. An vier Tagen wird dann auf den Horkaer Äckern jede Krume herumgedreht; 2007 und 2016 sogar im Rahmen von Deutschen Meisterschaften.

Ein Mann wie Dr. Barth, der seinen Verein mit derart viel Umsicht und Geschick leitet, pflegt selbstverständlich auch Kontakte zu anderen Vereinen und unterstützt diese. Und da er gut reden kann, fungiert er als Sprecher bei sächsischen Pferdesportveranstaltungen; so auch bei der bekannten Moritzburger Hengstparade. Nach so viel ehrenamtlicher Tätigkeit ist es dem Pferdeliebhaber zu gönnen, wenn er ein Feierabendbier genießt. 2014 musste ihm dies als erstem „Landskron-Hopfenkönig“ sogar eine angenehme Pflicht sein!

Dr. Barth weiß sich in seinem ehrenamtlichen Tun auch als Beschenkter. „Die Momente des Glücks sind kurz“, weiß er, „aber sie sind ganz groß.“ Und er sagt den Vereinsmitgliedern immer wieder, wenn für ein Jahr Bilanz gezogen wird: „Das ist unser Werk, das haben wir geschafft – und so viele Leute hatten ihre Freude daran!“ Berechtigter Stolz und Bescheidenheit sind zwei tragende Säulen des Ehrenamtes.

Kurzfilm über Mathias Fischer

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Du musst dich nur trauen:

Heidemarie Fischer



„Hinnerm Ufm a dr Hell is dr aaln Weiber Stell“. Der Oberlausitzer formuliert gelegentlich sehr bildhaft und drastisch, doch wer diesen „trefflichen Menschenschlag“ (Oberlausitzlied) kennt und schätzt, wird ihm dies nicht verübeln - so wie in diesem zitierten Fall. Heidemarie Fischer ist ein beredtes Zeugnis dafür, dass die Seniorinnen den finsteren Platz („Hölle“) zwischen Ofen und Wand längst verlassen haben. Denn dort zu verharren, lähmt eher, lässt einrosten. „Wer die ganze Zeit hinterm Ofen sitzt, der traut sich nicht mehr“, ist die Oppacherin überzeugt. Deshalb war es ihr selbst zu wenig, sich lediglich um ihr eigenes Haus und den dazu gehörenden Garten zu kümmern. So gut kennt sie sich: „Wenn ich nicht rausgekommen wäre, hätte ich mich eines Tages nicht mehr getraut“.

Heidemarie Fischer wurde 1944 in Oppach geboren und lebt seitdem in diesem Ort. Dass ihr das Wohl und Wehe ihres Heimatdorfes nicht gleichgültig ist, zeigt allein schon die Tatsache, dass sie seit 1995 Gemeinderätin ist – und in ein solches Amt wird man ja bekanntlich gewählt! Das drückt eine große Wertschätzung unter der Bevölkerung aus.

In der Seniorenarbeit ist sie schon lange engagiert; zunächst in jüngeren Jahren angestellt bei der Arbeiterwohlfahrt und später beim Frauenring e.V. Doch der Eintritt in den Ruhestand 2004 brachte arbeitsmäßig keine Zäsur: Nun arbeitete Frau Fischer eben ohne Abstriche ehrenamtlich weiter – und die Liste ihrer Tätigkeiten ist lang und zeigt auch die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen: Da ist an erster Stelle zu nennen, dass die Preisträgerin Vorsitzende des Kreisseniorenrates des Landkreises Görlitz ist. Dieser vertritt die Interessen der Senioren im gesamten Landkreis. Frau Fischer ist in vorderster Reihe zur Stelle, wenn es Feste vorzubereiten und durchzuführen gilt: den Neujahrsempfang der Gemeinde Oppach; wenn in Seniorenheimen und in Kindereinrichtungen gefeiert wird; sie unterstützt den Oppacher Narrenbund e.V.; Heimatfeste sind ohne sie nicht vorstellbar. Gelegentlich steht sie im Wortsinn im Rampenlicht, denn sie beteiligt sich am Märchenspiel beim Weihnachtsmarkt.

Heidemarie Fischer gelingt es auch, Hergebrachtes und neue Anforderungen „unter einen Hut“ zu bringen. Die Traditionspflege ist ein weites Betätigungsfeld von ihr. So war sie u. a. federführend tätig bei der Erarbeitung der Ausstellung zur 675-Jahr-Feier Oppachs 2011. Doch auch die Asylbewerber im Löbauer Heim durften und dürfen ihre Dienste in Anspruch nehmen. Vor allem aber sieht man, dass gut dosierter Sport fit hält: Frau Fischer leitet jede Woche den altersgerechten Seniorensport im Altenpflegeheim Oppach und in der Tagespflege in Wilthen.

Einen ihrer Wünsche kann man gewiss vorbehaltlos unterstützen: beliebte, sinnvolle Angebote für Jung und Alt sollen so gefördert werden, dass sie erhalten bleiben können und nicht, dass es heißt: Es ist Geld da; also denkt euch mal was aus, damit es ausgegeben werden kann. Heidemarie Fischer wird in den Gremien, in denen sie vertreten ist, bestimmt energisch das Wort in diesem Sinne ergreifen und, wenn nötig, auch dafür kämpfen.

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Im Stadtrat gerät er nicht ins Schwimmen:

Dietrich Thiele



Zwei geradezu gegensätzliche Empfindungen können Leute bewegen, sich ehrenamtlich zu engagieren: die Freude und der Schmerz. Das ist ablesbar an Dietrich Thiele.

Ihn freut, dass er inzwischen fast 1.300 Kindern das Schwimmen beibringen konnte. Deshalb wähnt er sie völlig zu Recht als vor dem Ertrinken sicher. Seit 1996 ist er als Schwimmlehrer tätig; zuerst in der Schwimmhalle an der Zittauer Kantstraße, später im Westparkcenter der Stadt.

Seit dem Jahr 2000 ist der Preisträger aber auch Mitglied der Oberlausitzer Tafel e.V. mit ihren Standorten in Ebersbach-Neugersdorf, Löbau, Neusalza-Spremberg, Niesky und Zittau. Ihn schmerzt, dass Menschen, die ein Leben lang gearbeitet haben, bei der „Tafel“ Nahrungsmittel einkaufen müssen, weil sie sozial oder wirtschaftlich bedürftig geworden sind. Dietrich Thiele ist damit einer von ca. 60.000 Männern und Frauen in Deutschland, die in über 900 Einrichtungen der „Tafel“ solche Leute versorgen. Im Landkreis Görlitz sind es etwa 11.000 Personen, denen diese wertvolle Unterstützung zuteilwird. Die direkte Hilfe ist das Eine; das andere sind die Absicht und der Wille, an diesem Zustand etwas zu verändern. Dafür nutzt Herr Thiele sein Mandat im Zittauer Stadtrat, das er seit 1999 ohne Unterbrechung innehat. Diese Funktion bringt noch weitere Aufgaben mit sich: den Fraktionsvorsitz der zweitgrößten Fraktion im Zittauer Stadtrat, bestehend aus FUW, FDP und FBZ, die Mitgliedschaft im Ältestenrat der Großen Kreisstadt Zittau sowie auch die im Städteverbund „Kleines Dreieck“ (Zittau, Bogatynia/Reichenau, Hrádek nad Nisou/Grottau).

Dies mag man als „ehrenamtlichen Alltag“ des Ausgezeichneten bezeichnen. Doch daneben gibt es auch einzelne außergewöhnliche Aktionen. Herr Thiele stieß bei Recherchen auf die Tatsache, dass sich von 1890 bis 1908 in seiner Heimatstadt in der Mandaustraße 6 ein Konsulat der USA befand. Dies war Anlass für den umtriebigen Stadtrat, Kontakt zu den für Sachsen zuständigen Generalkonsuln der Vereinigten Staaten von Amerika zu knüpfen. Diese haben inzwischen mehrmals die Stadt Zittau besucht – und waren begeistert!

Und um ein Monument kümmerte sich der Preisträger intensiv: vom Denkmal des 3. Königlich-Sächsischen Infanterie-Regiment Nr. 102 „König Ludwig III. von Bayern“ an der ehemaligen Bauschule am Zittauer Grünen Ring war bereits im Frühjahr 1960 der bekrönende Adler verschwunden. Herr Thiele begann 2007, erst einmal völlig in Eigeninitiative, nach dem fehlenden Stück zu suchen. Der zunächst ausbleibende Erfolg entmutigte ihn nicht; auch dies ist wohl eine Tugend eines engagierten Ehrenamtlers. Schließlich unterstützte die Stadt Zittau das Vorhaben und so wurde der 20. Mai 2008 ein unvergesslicher Tag für Dietrich Thiele, denn der Adler wurde tatsächlich zutage gefördert. Ein Denkmal im herkömmlichen Sinn ist es nicht: der Tulpenbaum, den der „glückliche Finder“ aus Anlass seines 70. Geburtstages im Jahre 2013 in der Nähe der Weberkirche pflanzen ließ. Doch ist es, wie die dabeistehende Tafel kundtut, ein Zeichen der starken Verbundenheit mit seiner Heimatstadt Zittau. Ein wirklich starkes Zeichen!

Kurzfilm über Dietrich Thiele

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Wo der Neiße silbernes Band verbindet

Margarete Nikisch




Wer – wie Margarete Nikisch – nach dem Zweiten Weltkrieg aus seiner Heimat vertrieben wurde, weiß, was Armut ist. Die ersten Lebensjahre seit ihrer Geburt 1940 hatte sie in einem kleinen Dorf in der Nähe von Reichenberg (heute Liberec) verbracht. Vermutlich ist dies eine starke Motivation dafür, dass ihr die seit 13 Jahren alljährlich stattfindende Weihnachtsfeier für arme und behinderte Kinder aus Zgorzelec und Umgebung ein Herzensanliegen ist.

Derartige Veranstaltungen kann natürlich niemand allein auf die Beine stellen. Doch das ist nun einmal ein Grundprinzip ehrenamtlicher Tätigkeit: es braucht engagierte Einzelpersonen, die sich zu einem Miteinander zum Wohle anderer Menschen zusammenfinden. So arbeitet Frau Nikisch im Verein „Frauen auf dem Weg nach Europa“ e.V. mit. Dieser Verein wurde 2005 gegründet, doch sein Anliegen wird schon viel länger verfolgt und die Preisträgerin hat schon damals, seit 1995, mitgewirkt: In einem trinationalen Frauen- und Behindertenprojekt der Euroregion Neiße. Die Bilanz des heutigen Vereins kann sich sehen lassen: 2015 wurden 74 Veranstaltungen organisiert. Einen Schwerpunkt bilden dabei die Aktivitäten, die sich den sozialen Problemen der Grenzregion zuwenden. Und hier sind erster Stelle wieder die Ferientage für behinderte Kinder diesseits und jenseits der Grenze zu nennen.

Offenbar trifft die Tätigkeit des Vereins den Nerv vieler Leute, denn 60 Mitglieder gehören ihm an und es könnten noch mehr sein; das Interesse ist vorhanden. Doch da gibt es ein Problem: Mehr Leute passen nicht in die eigenen Räumlichkeiten hinein!

Auch Frau Nikisch ist eine der sympathischen Ehrenamtler, die lieber im Hintergrund arbeiten. Doch an einer Stelle gab sie ihrem Herzen einen Stoß: Sie übernahm mit Vereinsgründung das Amt der Schatzmeisterin. Vielleicht gerade dadurch motiviert, initiierte sie eine Sammlung für die Hochwasseropfer von 2013.

Zu Hause zu sitzen, liegt der Görlitzerin nicht. Und das ist wörtlich zu nehmen. Sie sagt: „Wir gehen dorthin, dorthin und dorthin, wo wir wissen, dass jemand allein ist und seine Probleme nur auf sich gestellt nicht bewältigen kann“. Das beeindruckt: Es wird also nicht erst geholfen, wenn die Not vor der eigenen Tür sichtbar wird (obwohl schon dies eines Lobes wert wäre), sondern die hilfebedürftigen Menschen werden aufgesucht. Auch auf diese Weise ist ein enges Vertrauensverhältnis zwischen Frauen aus Görlitz, Liberec und Zgorzelec entstanden. Denn auch hier hat Frau Nikisch Bedürftigkeit am eigenen Leibe erfahren: sie ist Witwe und kümmert sich deshalb um Frauen, deren Ehepartner verstorben ist und denen deswegen Alleinsein und sogar Isolation drohen. Sie führt Margarete Nikisch behutsam wieder an das gesellschaftliche Leben heran. So liegt nahe, dass sie die Selbsthilfegruppe „Witwen und alleinstehende Frauen“ leitet.

Es bekommt dem Ehrenamt immer gut, wenn die Aktivitäten von Vereinen und von Einzelnen miteinander verknüpft sind wie ein stabiles Netz, das auffängt. Beim Verein „Frauen auf dem Weg nach Europa“ e.V. und insbesondere bei Margarete Nikisch ist dies eine erfahrbare Wirklichkeit.

Kurzfilm über Margarete Nikisch

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Der gern zuguckt, guckt nicht nur zu: ‎

Elmar Günther



„Blumen-Günther“ – das war früher fast eine Institution in Zittau. Da seine Eltern eine Gärtnerei besaßen und Elmar Günther folglich im Verständnis der damaligen DDR-Führung kein „Arbeiterkind“ war, konnte er sich seinen Wunsch, Journalistik zu studieren, nicht erfüllen. So lernte er Gärtner; „Blumen-Günther“ eben.

Doch journalistisches Rüstzeug besaß der Preisträger: „Zugucken und kritisieren konnte ich“, schätzt er sich mit einem Augenzwinkern selbst ein. So begann er, ab 1965 Spielberichte über die Fußballmannschaft der BSG Lok Zittau zu schreiben. So begann seine erste „Ehrenamts-Karriere“: Elmar Günther übernahm 1967 eine hohe Verantwortung als Mannschaftsleiter der Sportgemeinschaft, denn dieser stellte das Bindeglied zwischen Trainer und Mannschaft dar. 2002 startete er noch einmal neu durch und wurde Jugendleiter. Diesem Engagement setzte dann 2008 der Ausbruch von Morbus Parkinson ein unfreiwilliges Ende. Doch es soll nicht unerwähnt bleiben, dass der Deutsche Fußballbund (DFB) diese Leistung mit dem Ehrenamtspreis würdigte.

Die Erkrankung wurde nun allerdings für Herrn Günther nicht zum Anlass, zu Hause zu sitzen und fernzusehen. Nach eigenem Bekunden verspürt er eine „innere Unruhe“ und er möchte immer etwas tun. Da lag es nahe, die Krankheit anzunehmen und sie offensiv anzugehen. Das bedeutete, Mitglied der „Selbsthilfegruppe PARKINSON Ebersbach-Löbau-Zittau“ der Deutschen Parkinsonvereinigung zu werden und sich dort einzubringen. 2011 wurde er deren stellvertretender Leiter. Es ist gewiss auch dem gewinnenden Wesen Elmar Günthers zu verdanken, dass sich der Kreis von anfänglich etwa 20 Personen auf gegenwärtig 54 erweiterte.

Wer nun denkt, eine solche Selbsthilfegruppe käme nur zusammen, damit alle ihren Krankheitsverlauf und die damit verbundenen Probleme schildern können, irrt gewaltig. Auch mit einer Krankheit kann man noch stets seinen Horizont erweitern. So organisiert Elmar Günther Vorträge und Ausflüge. Einen ersten Höhepunkt bildete dabei ohne Zweifel der 1. Oberlausitzer Parkinsontag 2014. Es war ein großes Treffen von Parkinsonerkrankten und deren Angehörigen. Bereits 2015 gab es die zweite Auflage wiederum mit prominenten Gästen.

Dies alles könnte nach Schreibtischarbeit und Verwaltung klingen - und ist es selbstverständlich auch. Doch als ganz „normales“ Mitglied der „Selbsthilfegruppe PARKINSON Südliche Oberlausitz“, wie die Gruppe seit diesem Jahr heißt, ist der Preisträger vor allem auf sportliche Aktivitäten bedacht, denn dies steht für an Parkinson Erkrankte an erster Stelle, um ihre Beweglichkeit im Alltag zu erhalten. Nicht ganz so sportlich, doch im doppelten Wortsinn „bewegend“ sind auch die vielen Besuche, die Herr Günther abstattet: Im Krankenhaus, um sich nach dem Befinden der Gruppenmitglieder zu erkundigen oder anlässlich von Geburtstagen. Neben dem obligatorischen Blumenstrauß ist für die Besuchten und Geehrten besonders wichtig, dass die Gespräche mit Herrn Günther Hoffnung und Zuversicht vermitteln. Damit legt er eine Spur, die das Ehrenamt so wertvoll und unverzichtbar macht.

Kurzfilm über Elmar Günther
 
 
Bürgerstiftung zivita,
c/o Große Kreisstadt Zittau,
02763 Zittau, Markt 1
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